Archiv Seite 4

Affektives & Affektiertes: Gegendarstellung (teilweise)

Seit dem Beginn der signifikanten Einwanderung aus dem Nahen Osten wurde es lange genug versäumt, den Hasspredigern konsequent und auf breiter Basis die Stirn zu bieten. Die >>Ich-box-dich< <-Fraktion wurde nicht von deutscher Unterdrückung, sondern deutscher Akzeptanz ausgebrütet.
Ja ich verschiebe den Fokus. Mich interessiert, dass in angeblichen Multikulti-Kiezen Pogromstimmung herrscht. Und wie so oft zuvor, hat das Appeasement des Umfelds einen entscheidenden Anteil daran.

… schreibt Tzach in seiner
Gegendarstellung (teilweise) .

Das „seit dem Beginn signifikanter Einwanderung “ aus dem Orient (benennen wir doch einmal das Konzept, um das es hier geht) eben dieser in Deutschland auf breiter Basis die Stirn geboten wurde, unabhängig davon, ob „Hassprediger“ unter den „Zuwanderern“ waren oder nicht, ist allgemein bekannt. Also worüber beschwert sich Tzach? Über die „Akzeptanz“, die der von ihm als „>>Ich-box-dich< <-Fraktion" titulierten Gruppe angeblich von deutscher Seite entgegengebracht wird. Es stellen sich da zwei Fragen: Die erste ist die nach dem Paralell-Universum in dem Tzach lebt. Die zweite ist die, warum Tzach die homophoben Handlungen von Jugendlichen aus einer angeblich ihnen eigenen "Kultur" erklärt (womit er wieder den "der arabische Mann"-Fehler macht). Genauso könnte man sich die Homophobie, nicht aus dem "Nahen Osten" zugewanderter, Jugendlicher aus der westlichen Kultur erklären. Man könnte es auch einfach daraus erklären, dass sie Arschlöcher sind. So wie ich den Rassismus eines Tzach, wie er hier zum Ausdruck kommt, alleine aus dieser Tatsache erklären könnte. Nur leider finde ich eine solche Erklärung recht unbefriedigend. Tzachs Rassismus und die Homophobie derer, die offenbar seine Kultur teilen, scheinen beide eine grundsätzliche Vorraussetzung gemein zu haben: nämlich dass es ein Konzept des "Fremden" (bei Tzach eben ein kulturalistisches) und vom "Homosexuellen" (bei seinen kulturellen Freunden) geben muss. Ohne die Identifikationen des Anderen ließe sich die Ablehnung nicht begründen. Tzach behauptet also einen Zusammenhang zwischen "orientalischer Kultur" und Homophobie ungeachtet dessen, dass er sich hüten würde, einen Zusammenhang zwischen abendländischer Kultur und der Homophobie hiesiger Jugendlicher herzustellen. Obwohl letzteres weitaus schlüssiger wäre: Nirgendwo sonst auf der Welt bemüht man sich wohl so eine „homosexuelle Identität“ herzustellen , wie im aufgeklärten Abendland.

Zero Tolerance

Hingewiesen auf die homophoben und rassistischen „Ausfälle“ eines ihrer Mitglieder, namentlich die eines gewissen Jürgen Krafzik, reagiert die „Bloggergemeinde“ mit einem Aufruf zur Toleranz . Nicht, wie man meinen möchte, mit einer Absage an Rassismus und Homophobie. Nicht das übliche liberale Lippenbekenntnis zu den gleichen Rechten „Anders- Glaubender“ oder „Anders-Fühlender“ wird hier bemüht. Nein, man ruft zur Toleranz gegenüber dem Anders-Hassenden auf. Schließlich bedeutet Freiheit nicht die Freiheit vom Hass, sondern eben gerade die Freheit zum Hass. Schließlich ließ sich bereits 1992 in Rostock-Lichtenhagen feststellen, dass die Freiheit in der falschen Gesellschaft durchaus auch die Freiheit zum Pogrom bedeutet.

Aufklärung und Moral I

Spiegel Online widmet eine kurze Meldung einer Frau im US-amerikanischen Arlington, die, obwohl sie hirntot ist, noch ein Kind gebären soll. Nun mag man mit allerlei moralischem Argument daher kommen und die Interessen eines ungeborenen Kindes gegen die einer hirntoten Frau abwägen. Das ist allerdings nicht die Frage, die mich hier beschäftigt. Es geht mir nicht um eine ethisch-moralische Begründung solcher Maßnahmen oder ihrer Ablehnung. Es geht darum, was deutlich wird, unabhängig von den konkreten Umständen dieses Geschehens.
Hier, wo die patriarchale Vernunft deutlich Verfügungsgewalt über den Corpus, den Körper (und nicht den Leib, der noch mit der Seele eins ist) ausübt und hier gerade einen weiblichen Körper restlos und noch deutlicher zum rein mechanischen Mittel von Reproduktion verstümmelt, wird bewusst, wie das aufgeklärte „Interesse am Körper“, das Horkheimer und Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ beschreiben, zum Mittel der Beherrschbarkeit des Körpers wird. Der Körper, als letztes Natürliches, was das Subjekt noch bedingt, muss ihm unterworfen werden. Der Hass des jungen Mannes auf seine Mutter, der Ekel den er empfindet beim Gedanken, dass sie ihn auf die Welt gebracht hat, ist nichts weiter als der Hass auf die Natur die seine Subjektwerdung bedingt. Im toten weiblichen Körper, dem im Falle der Gefahr einer Infektion noch der Kopf abgetrennt werden soll, um das Leben des Kindes nicht zu gefährden, manifestiert sich die totale Verobjektivierung des Körpers, sie wird an ihm nachvollzogen und ordnet sich in den Prozess einer düsteren „Emanzipation“ von einer verhassten und deswegen als wunderbar funktionstüchtig glorifizierten Natur ein.

Und jetzt alle…

Lift up your head
to the rising sun,
Bahamaland;

March on to glory
your bright banners
waving high.

See how the world
marks the manner
of your bearing!

Pledge to excel
through love and unity.

Pressing onward,
march together
to a common loftier goal;

Steady sunward,

tho‘ the weather
hide the wide and treachrous shoal.

Lift up your head
to the rising sun, Bahamaland,

‚Til the road you‘ve trod
lead unto your God,
March On, Bahamaland.

emopunkige AD-Kids

„Emopunks“ diskutieren einen Beitrag von diesem Blog und finden:

„ich halte den begriff der barbarei auch für angebracht. er macht an dieser stelle deutlich, dass auch aus rationalem (z.b. dem exatem vermessen von körperteilen mit wissenschaftlichen methoden) schlimmstes resultieren kann.
das ding ist doch grade dass sich doch grade das versprechen der aufklärung („ausgang des menschen aus der selbstverschuldeten unmündigkeit“) nicht erfüllt hat und gerade die (schein)rationalisierung der ganzen welt, die kein außen, kein unerklärliches, mehr zulässt notwendige bedingung für den industriellen massenmord waren.
die aufklärung wird eben – wenn sie absolut gesetzt und unreflektiert bleibt – selbst zum mythos und produziert die scheinbare wissenschaftlichkeit des rassenwahns – aber keine aus ihr selbst entwachsende moral.
jetzt werft mir blos nicht vor ich würde ein „zurück“ zur gesellschaft der mythen fordern… “

„das rationale im beispiel des vermessens der körperteile ist ja nur scheinbar rational, da man sich einer wissenschaftlichen praxis bedient ohne irgendeinen erkenntniszuwachs. aber der kreis schließt sich bei der betrachtung, warum die nazis versuchten, ihre ideologie wissenschaftlich und damit zivilisatorisch konsequent und stringent zu präsentieren.“

Hier wird klar: Nazis waren keine „Wissenschaftler“. Man verspricht sich von seiner/m Dozent/in in der Uni eben mehr als Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder Homophobie (oder was ich jetzt sonst noch alles anführen könnte).
Man sagt: Die Vernunft sei ja schon in Ordnung, sie hätte bloß eine schreckliche Form angenommen, damals. Dass sie das eben in den Köpfen der wahnhaften Post-Antideutschen immer noch tut: ignoriert. Das sie in der bürgerlichen Wissenschaft immer noch gar schrecklich ist: ignoriert. Die Kritik: abgehakt. Bzw.: Verschoben, auf übermorgen, wenn es keine „barbarischen“ Islamisten mehr gibt. Man freut sich schon auf einen Job in der Elite – Team Enlightenment? Fuck, yeah!

„ein weiteres problem ist, dass die mythen, denen bestimmte (eher traditionelle gesellschaften aufsitzen (z.b. offener antisemitismus), leichter zu durchschauen sind als das mythische moment der aufklärung/moderne.
wenn bestimmte systeme rationalität vorgaukeln und nicht auf abstrusen mythen zur erklärung der welt verweisen wird das ganze halt schwieriger zu durchschauen und zu „de-naturalisieren“.“

Das Problem ist nicht das Rationalität „vorgegaukelt“ wird, sondern, dass das antisemitsche Wahnsystem in sich rational ist. Da unterscheidet es sich im übrigen nicht von anderen modernen Ideologien. Seit wann der Antisemitismus nicht zu diesen gehört, sondern zu den „traditionelleren“ (also „vormodernen“) weiß ich nicht, ich schätze der fragliche Zeitpunkt fällt mit dem Erscheinungsdatum einer Ausgabe der Bahamas zusammen.