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Die (anti-)deutsche (Internet-)Linke in der „Vorwärtsverteidung“

Lysis versucht die Islamophobie der „konkret“ zu skandalisieren und scheitert an der Taub- und Blindheit des geneigten Publikums. So schreibt zum Beispiel bigmouth (den ich ansonsten sehr schätze):

welche stürmerkompatible aussage über muslime tätigt denn das titelbild deiner meinung nach genau? ich sehe deine ritualmord-assoziation kein stück (wer ist denn zB das opfer auf dem bild?), auch weil ich der meinung bin, dass zu dem zeitpunkt der veröffentlichung das Aschura-Fest durch allgemeien medienpräsenz (das als cover verwandte bild ist sehr häufig veröffentlicht worden) ganz klar war, dass da selbstverletzende bekloppte religiöse zu sehen sind. als ich das cover sah, wusste ich zb sofort, worum es ging

Was nur belegt, dass er im Gegensatz zur konkret-Leserschaft wohl über einiges Faktenwissen über den Islam verfügt. Allerdings dient das Titel-Bild der konkret-Redaktion nicht zur Illustration eines Titels der heißt „Religiöse Irre geißeln sich selbst“ oder ähnliches (die Frage wäre dann immer noch warum man zur Illustration dann nicht auch ein Bild von Christen benutzen könnte, die sich zum Osterfest an Kreuze schlagen lassen) sondern der Titel der konkret lautet: „Allahs Demokraten – Der Nahe Osten nach dem Krieg“. Direkt daneben steht die Ankündigung das sich Gremliza im Innenteil des Heftchens über „Madrid und so weiter“ auslassen wird. Die Assoziation des Lesers soll wohl keineswegs religiöse Selbstgeißelung sein, sondern es soll die Blutrünstigkeit der Muslime dargestellt werden. Der Kontext zum Aschura-Fest ist an keiner Stelle zu erkennen und das ist wohl auch nicht gewünscht.
Im weiteren schreiben in Lysis Kommentarspalte noch einige Leute, die, im Gegensatz zu bigmouth eindeutig dem „antideutschen Spektrum“ zu zuordnen sind. So schreibt Bad Brain:

Ich halte den “Stürmer”-Vergleich für weit überzogen: präpariert “konkret” etwa die Deutschen ideologisch etwa für die Vernichtung von Muslimen?

oder Sablotron:

Es mag ja sein, dass dir, als regelmäßiger Stürmerleser, der Kontext der Ritualmordbilder bekannt ist. Mir z.B. sind nicht viele Stürmerbilder geläufig und auch sind Männer mit Dolchen bei mir erstmal keine Ritualmörder, aber ein positives Bild geben sie trotzdem nicht ab.

Ich halte die Feststellung, dass “ein westlicher Leser” eigentlich nur den Stürmer als Vorlage für Assoziationen kennt, für albern. Die antisemitische Karikatur hat beispielsweise im arabischen Raum eine wesentlich aktuellere und lebendigere Präsens als beim “westlichen Leser”, der den Strümer nur noch aus unscharfen Bildern im Geschichtsbuch kennt.

und die kette, die du mit dieser behauptung aufmachst, ist zurecht von bad brain kritisiert worden; auch wenn die auseinandersetzung mit dem islam in der konkret sehr fragwürdig und problemitsch ist, kann ich da keinerlei parallelen zum eliminatorischen antisemitismus des stürmer erkennen.

oder carla

Ich fand das Cover seinerzeit auch nicht sonderlich gelungen, um es mal milde auszudrücken; allerdings nicht wegen Assoziationen zu “Ritualmorden” (schließe mich bigmouth an, dass ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Bildern in der An- bzw. Abwesenheit von unschuldigen, wehrlosen Opfern besteht). Das Bild auf dem konkret-Cover verweist im Kontext mit der Schlagzeile – die nicht einfach vernachlässigt werden darf – meiner Meinung nach eher auf ein (behauptetes) “Barbarisches” im Islam. So nach dem Motto: derart archaische Gestalten können doch nie und nimmermehr Demokraten sein, sind nicht in der Moderne angekommen usw.

Was daran interessant ist, ist nicht ob lysis mit dem Anwurf gegen konkret tatsächlich Recht hat. Interessant ist einfach, dass diese „Verteidigungen“ der konkret gegen lysis‘ Vorwurf aus einer Ecke kommen und zu Gunsten einer Zeitschrift ausfallen, in der ansonsten nicht mit Skandalisierungen gleicher Machart, also Nazi-Vergleichen, nicht gespart wird. Denn was nun einmal Fakt ist: Wenn die konkret nicht mit dem historischen Stürmer vergleichbar ist, bewegt sie sich mit ihrer Hetze doch zumindest auf dem Niveau des demokratisch tollerierten Post-Nazismus, soll heißen, der Nationalzeitung und anderer widerlicher Hetzschriften.

Was daran traurig ist, ist dass die von lysis versuchte Skandalisierung fehlgeschlagen ist. Was noch trauriger ist, ist dass das auch nicht verwunderlich ist. Schließlich gehört islamophobe Hetze zum Mainstream, nicht nur der Linken, man kann kaum noch in den Supermarkt gehen ohne ein Gespräch über „die, die sich gar nicht integrieren wollen“ anhören zu müssen.

Gänzlich wahnhaft wird die Angelegenheit, wenn z.B. carla versucht den Begriff „Islamophobie“ als von den iranischen Mullahs eingeführten Propaganda-Begriff zu denunzieren:

Der Begriff Islamophobie wird regelmäßig verwandt, um Religionskritik, die sich auf den Islam bezieht, zu delegitimieren. Ob nun von den Mullahs oder nicht, selbstverständlich wurde dieses Wort zunächst einmal vornehmlich aus der Glauben-Community heraus promotet und erst später dann bereitwillig von einer antirassistischen Linken übernommen. Das Perfide an diesem Begriff – darum ist er auch so beliebt – ist m. E. nach die Pathologisierung aufklärerischen Denkens.
Die beiden Autorinnen des o. g. Jungle-World-Artikels sind übrigens durchaus ernstzunehmende Wissenschaftlerinnen. Quellen zu nennen ist nicht üblich in einer nichtwissenschaftlichen Publikation!

Und eigentlich hat carla Recht: Warum sollte man Rassismus nicht auch einfach Rassismus nennen. Man muss nicht noch hinzufügen, dass er sich gegen eine bestimmte Religion richten (soll). Schließlich geht es auch nicht um die Pathologisierung von Religionskritik. Sondern es geht um die Denunziation und Skandalisierung des Rassismus der sich hier dahinter zu verbergen sucht.

Auf Wiedersehen!

So. Hotel legt sich erstmal schlafen, da mir zur Zeit einfach die Ideen ausgegangen sind. Ich mach einfach was anderes. Wahrscheinlich macht das Hotel dann irgendwann wieder auf. Nach „kreativer Pause“. ;)
Ciao.
.chrdop

Interbrigaden für Israel?

Gefunden bei CNN .

Schon beinahe vergessen:

Aber ein sehr schöner Text von den Pixies:

I was swimmin‘ in the Carribean
Animals were hiding behind the rock
Except the little fish
But they told me, he swears
Tryin‘ to talk to me to me to me

Where is my mind (3x)
Way out in the water
See it swimmin‘ ?

Ideologie vs. Kritik

Die Jungle World auf der Nachrichtenseite ihrer letzten Ausgabe:

Sparen, sparen, sparen

Weltwirschaft. Die Löhne und Unternehmenssteuern sinken seit Jahren. Was machen die Konzerne eigentlich mit dem ganzen Geld? Keine noch so großzügige Entlohnung des Managements kann das Wachstum der Profite kompensieren, und dass nicht in neue Arbeitsplätze investiert wird, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Lösung ist einfach: Die Konzerne sparen. Zwischen 2000 und 2004 haben die Unternehmen in den USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien eine Billion Dollar auf die hohe Kante gelegt. Diese Sparquote sei »beispiellos«, stellten die Ökonomen der Investmentfirma JP Morgan & Co. fest. Das Wall Street Journal berichtete, dass die 500 finanzstärksten US-Unternehmen »mehr als 634 Milliarden Dollar angesammelt haben«, eine Steigerung um fast 100 Prozent seit dem Jahr 2000.

Die Investitionsverweigerung wird nun zum Problem für die Aktienmärkte, doch wie immer hoffen die Ökonomen auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Microsoft und einige andere Unternehmen haben bereits eine Lösung gefunden: Sie zahlen ihren Aktionären höhere Dividenden. (js)

Das ist Unsinn. Offensichtler Unsinn. Denn es ist ja nun beleibe nicht so, dass so wie sich die nicht-einmal-vulgär-Marxisten des linksradikalen Zeitungsprojektes sich das vorstellen: das die Gewinne der Unternehmen im Kapitalismus für den Konsum ihrer Eigentümer eingesetzt würden. Auch sind sie nicht für die „Investition in Arbeitplätze“ zu gebrauchen. Ein Kapitalist investiert nicht „in Arbeitsplätze“, er investiert um Profit zu machen. Und den macht er eben nur, wenn er den Beschäftigten eine Menge unbezahlter Arbeitskraft abknöpft. Und das eben Arbeitsplatz-Abbau und steigende Profite dabei gut zusammengehen ist wenig verwunderlich. Also, was kann man aus der von JP Morgan, Wallstreetjournal und Jungle-World festgestellten „Investitionsverweigerung“ schließen? Eigentlich nur eins: Für die großen Konzerne scheint zur Zeit keine lohnende Investition
zu tätigen zu sein. Und das wäre das tatsächliche Problem für diese Unternehmen, und nicht wie die JW schreibt, dass sie zuviel Geld haben und das „zu einer Belastung für die Aktienmärkte“ wird. Dieses Problem ist aber nur ein scheinbares, wie wir hier lernen können: Schließlich kennt eine Aktiengesellschaft keine Zwangsmitgliedschaft. Wenn die Profite nicht mehr zu wachsen scheinen, wird halt das Geld an die Anteilseigner ausgeschüttet, was nichts anderes bedeutet, als dass Kapital aus diesem Projekt abgezogen wird. Und wenn die JW jetzt meint, dass sich jene Kapitalbesitzer von diesem Geld noch einmal drei Schnitzel am Tag leisten werden, irrt sie immer noch: Diese Kapitalbesitzer werden schon besseres damit anzufangen wissen: Es nämlich zu investieren, da wo es Profit bringt. Und nicht „in Arbeitsplätze“.