Archiv der Kategorie 'Juliette'

Zero Tolerance

Hingewiesen auf die homophoben und rassistischen „Ausfälle“ eines ihrer Mitglieder, namentlich die eines gewissen Jürgen Krafzik, reagiert die „Bloggergemeinde“ mit einem Aufruf zur Toleranz . Nicht, wie man meinen möchte, mit einer Absage an Rassismus und Homophobie. Nicht das übliche liberale Lippenbekenntnis zu den gleichen Rechten „Anders- Glaubender“ oder „Anders-Fühlender“ wird hier bemüht. Nein, man ruft zur Toleranz gegenüber dem Anders-Hassenden auf. Schließlich bedeutet Freiheit nicht die Freiheit vom Hass, sondern eben gerade die Freheit zum Hass. Schließlich ließ sich bereits 1992 in Rostock-Lichtenhagen feststellen, dass die Freiheit in der falschen Gesellschaft durchaus auch die Freiheit zum Pogrom bedeutet.

Aufklärung und Moral I

Spiegel Online widmet eine kurze Meldung einer Frau im US-amerikanischen Arlington, die, obwohl sie hirntot ist, noch ein Kind gebären soll. Nun mag man mit allerlei moralischem Argument daher kommen und die Interessen eines ungeborenen Kindes gegen die einer hirntoten Frau abwägen. Das ist allerdings nicht die Frage, die mich hier beschäftigt. Es geht mir nicht um eine ethisch-moralische Begründung solcher Maßnahmen oder ihrer Ablehnung. Es geht darum, was deutlich wird, unabhängig von den konkreten Umständen dieses Geschehens.
Hier, wo die patriarchale Vernunft deutlich Verfügungsgewalt über den Corpus, den Körper (und nicht den Leib, der noch mit der Seele eins ist) ausübt und hier gerade einen weiblichen Körper restlos und noch deutlicher zum rein mechanischen Mittel von Reproduktion verstümmelt, wird bewusst, wie das aufgeklärte „Interesse am Körper“, das Horkheimer und Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ beschreiben, zum Mittel der Beherrschbarkeit des Körpers wird. Der Körper, als letztes Natürliches, was das Subjekt noch bedingt, muss ihm unterworfen werden. Der Hass des jungen Mannes auf seine Mutter, der Ekel den er empfindet beim Gedanken, dass sie ihn auf die Welt gebracht hat, ist nichts weiter als der Hass auf die Natur die seine Subjektwerdung bedingt. Im toten weiblichen Körper, dem im Falle der Gefahr einer Infektion noch der Kopf abgetrennt werden soll, um das Leben des Kindes nicht zu gefährden, manifestiert sich die totale Verobjektivierung des Körpers, sie wird an ihm nachvollzogen und ordnet sich in den Prozess einer düsteren „Emanzipation“ von einer verhassten und deswegen als wunderbar funktionstüchtig glorifizierten Natur ein.