teutschland im Frühjahr 2006:

Die Märkische Allgemeine („Brandenburgs beste Seiten“)
leitet Ermittlungen gegen Ermyas M., Opfer eines rassistischen Mordversuchs in Potsdam, mit der Beweisaufnahme ein:

Der Überfall auf Ermyas M. am Ostersonntag in Potsdam hat sich nach Informationen der MAZ allerdings weitgehend anders zugetragen als bisher dargestellt. Demnach hatte der 37-Jährige an der Haltestelle „Charlottenhof“ gegen vier Uhr bereits den Nachtbus bestiegen, um, wie geplant, einen Bekannten zu besuchen. Als jedoch der alkoholisierte Wissenschaftler (zwei Promille) – der sich zuvor mit seiner Frau gestritten hatte – beim Bezahlen der Fahrkarte mit dem Busfahrer in Streit geriet, setzte dieser den Fahrgast vor die Tür. Ermyas M. hatte sich dem Vernehmen nach heftig darüber erregt, dass der Busfahrer den Geldschein mit einer großen Menge Münzen wechseln wollte.

Kurz danach sollen die späteren Täter, einer links, einer rechts, Ermyas M. an der Haltestelle passiert haben. Der 1,97 Meter große Mann aus Addis Abeba soll danach die beiden Männer, die schon einige Meter entfernt waren, mit dem Wort „Schwein“ beleidigt und zumindest einen zu treten versucht haben. Der Tritt wird durch die Zeugenaussage eines vorbeifahrenden Taxifahrers bestätigt. „Schwein“ ist auf dem originalen Mailbox-Mitschnitt zu hören. Danach beschimpften die beiden Männer Ermyas M. als „dreckigen Nigger“.

Nehmen wir mal an die Story stimmt so:
Von einem „dreckigen Nigger“ als „Schwein“ beschimpft zu werden, so glaubt man in der Redaktion der Märkischen Allgemeinen wohl, ist ein guter Grund ihn ins Koma zu prügeln. Das ist vollkommen normal. Das passiert ständig. Das passiert bestimmt auch den „blonden blauäugigen Menschen“ die „Opfer von Gewalttaten“ (Schäuble) werden. Genauso spielt sich das mit Sicherheit ab: Ein stark alkoholisierter Deutscher, mit blonden Haaren und blauen Augen wird nach einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Fahrer aus einem Bus geworfen (spätestens hier sollte jedem die Absurdität des Szenarios aufgehen). Darauf hin nähern sich zwei Menschen die keinen deutschen Pass besitzen. Diese beschimpft er als „Schweine“ und versucht(! – der Mann ist stark alkoholisiert!) sie zu treten. Darauf hin beschließen die Zwei, das der saubere Arier sterben muss und brechen ihm die Knochen. So sähe das dann ungefähr aus, wenn man dem Minister Schäuble glauben wollte, dass hier keine Rassisten am Werke waren und sich auf die Geschichten der Märkischen Allgemeinen einlässt. An dieser Stelle gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder man merkt etwas. Oder man märkt eben etwas.

Das Opfer hat, anders als bisher erklärt, keine Rippenbrüche oder sonstige schwere Verletzungen am Oberkörper erlitten. Durch einen einzigen, äußerst wuchtigen Faustschlag wurde ihm der Schädelknochen an einem Auge zertrümmert, wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke-Katrin Scheuten, auf MAZ-Anfrage mitteilte. Dies ist das Ergebnis eines rechtsmedizinischen Gutachtens. Bisher war erklärt worden, die Täter hätten hemmungslos auf das bereits regungslos am Boden liegende Opfer eingetreten.

So etwas muss man eigentlich nicht mehr kommentieren. Schließlich erklärt es sich von selbst – man hat Ermyas M., der immer noch im Koma liegt und von dem man nicht weiß, ob er jemals wieder aufwacht „nur“ den Schädelknochen zertrümmert. Man hat nicht „hemmungslos“ auf ihn eingetreten. Nein – das war ja nicht mehr nötig nachdem man ihm den Schädel zertrümmert hat! So etwas ist ganz normal in Deutschland.


8 Antworten auf “teutschland im Frühjahr 2006:”


  1. Gravatar Icon 1 kante 23. April 2006 um 0:23 Uhr

    Man sollte mitdenken, warum solche Schreiberlinge die Opfer der Deutschen wenigstens zum Provokateur, schlußendlich zum Schuldigen machen wollen: Weil sie wissen, mit wem sie im deutschen, vollen Boot sitzen wollen, mit ihren Blutsgenossen nämlich. Daher bedeutet so ein Artikel nämlich noch etwas anderes: Es ist eine Versicherung an die Schläger, daß sie nicht ausgestoßen sind aus der Volksgemeinschaft, daß man hinter ihnen steht, weil man ihre Motive teilt. Daher treibt sie das Bedürfnis an, Rassismus zu leugnen bzw. zu rechtfertigen. Und daher wirkt z.B. dieser Artikel nicht anders und nicht anders sich aus als ein Aufruf, ein Bekenntnis zum deutschen Vernichtungsprogramm.

  2. Gravatar Icon 2 Bodycount 23. April 2006 um 13:18 Uhr

    Antifa Potsdam:

    „Nach dem rassistisch motivierten Mordversuch an dem schwarzen Deutschen Ermyas, wurden nun am Donnerstag zwei der mutmaßlichen Täter festgenommen. Politiker und Politikerinnen überschlagen sich mittlerweile in Erleichterungsäußerungen darüber, dass die Täter angeblich keine Rechtsextremisten seien. Dies entspricht unserem aktuellen Erkenntnisstand zufolge allerdings nicht den Tatsachen. Einer der mutmaßlichen Täter ist Thomas Michaelis. Dieser ist in Potsdam vor allem dadurch bekannt, dass er zusammen mit Marcus Schiller und anderen gewaltbereiten Neonazis Menschen einschüchtert, bedroht und eben auch äußert gewalttätig überfällt. Passieren tut dies dann u.a. bei den verschiedensten in den letzten Jahren gelaufenen Gerichtsprozessen gegen Neonazis wie z.B. beim sogenannten „Tram-Prozess“ oder dem „Chamäleon-Prozess“. Des weiteren auf verschiedensten offiziellen Festen in der Stadt Potsdam, im letzten Jahr wären das die Babelsberger Livenacht, oder das Stadtwerkefestival, sowie die Biermeile ebenfalls in Babelsberg.“

    http://www.ak-antifa.tk/

  3. Gravatar Icon 3 Administrator 23. April 2006 um 14:25 Uhr

    Der Punkt ist ja auch weniger, ob die Täter organisierte Nazis sind. Das mögen sie sein, dass müssen sie aber nicht sein um einen rassistischen Mord zu begehen. Dazu muss man nicht einmal ein „Rechtsextremist“ sein – es ist der stinknormale rassistisch-deutsche Mob der immer wieder zur Vernichtung schreitet. Wieviele organisierte Nazis braucht man für ein Pogrom? Keinen einzigen. Der Mob findet sich nicht an Kameradschaftsabenden – er findet sich beim Abendbrot in Essen-Borbeck oder am Stammtisch in Sebnitz – oder beim öffentlichen Massenbesäufnis in Rostock-Lichtenhagen. Deshalb geht die Argumentation der Antifa Potsdam ins leere. Selbst wenn ihr sie nicht kennen würdet, selbst wenn sie euch nicht bei der Recherche aufgefallen wären – die Täter hätten über Jahre hinweg eine Erlebniswelt genießen können die eben nicht durch Rechtsrock und Thor Steinar- Klamotten geprägt ist, sondern einfach die rassistische Alltagskultur dieses Landes.

  4. Gravatar Icon 4 Herr Lehmann 24. April 2006 um 11:57 Uhr

    Daher bedeutet so ein Artikel nämlich noch etwas anderes: Es ist eine Versicherung an die Schläger, daß sie nicht ausgestoßen sind aus der Volksgemeinschaft, daß man hinter ihnen steht, weil man ihre Motive teilt.

    Ich weiß nicht, was Du sonst noch so für Verschwörungen pflegst, aber aus dem Artikel, der erst einmal den Sachstand widergibt, folgt das erst einmal nicht.

    Im übrigen ist es komisch: Kannst Du etwa Rassismus nur dann kritisieren, wenn die Opfer von Rassismus selber eine „saubere Weste“ haben? Anders gesagt: Wenn der Afro tatsächlich rumgepöbelt hat, ist dann Deine Kritik – falls Du eine hast – tatsächlich erledigt?

    Im übrigen: So zu tun, als wäre jeder Konflikt von Leuten aus Dtl und anderswo eine rass. Kiste der Deutschen, der sitzt letztendlich selbst einem – umgekehrten – Rassismus auf. Er macht den Fehler, den ausländischen Leuten einen Willensinhalt – den des guten Benehmens – qua ihrer Herkunft unterzuschieben.

  5. Gravatar Icon 5 Willy 24. April 2006 um 12:29 Uhr

    Komisch, als Frau Sürücü ermordet wurde, herrschte hier nicht solche Erregung.

  6. Gravatar Icon 6 Herr Lehmann 24. April 2006 um 13:49 Uhr

    @ Willy

    Weil das ein anderer Gegenstand ist und sich der Blogautor offenbar mit Rassismus auseinandersetzen will – so what? Bei der Tötung von der Dame war eine andere Sorte Bewusstsein am Werk.
    Im übrigen: Die Erregung hier wird ja nicht weniger berechtigt, nur weil man sich über anderes Zeug auch aufregen kann.

  1. 1 subwave - antideutsch und trotzdem sexy :: mixed #13 :: April :: 2006 Pingback am 23. April 2006 um 22:13 Uhr
  2. 2 ramioyoq Trackback am 01. Oktober 2006 um 9:21 Uhr
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