Archiv für Juli 2005

Liberale Ideologie: Reloaded and armed

Der Artikel deckt meines Erachtens wunderbar den „Sozialkitsch“ auf, der letztlich Leiden und Elend verlängert. Weil er sich in altruistischen Gefühlen der Hilfsbereitschaft verliert statt die „Hilfsbedürftigen“ als gleichberechtigt anzuerkennen. Denn dann würde das erste Ziel jeder Hilfe heißen müssen, diese uns gleichberechtigten Menschen auch tatsächlich zu gleichem Recht zu verhelfen. Zum gleichen Recht auf Freiheit, auf demokratische Mitbestimmung und zum gleichen Recht Handel zu treiben statt auf Almosen angewiesen zu bleiben.

…steht da auf Streiflicht.

Er erkennt richtig: Der „Sozialkitsch“ trägt tatsächlich nicht dazu bei, Leid und Elend auf der Welt zu vermindern oder abzuschaffen, sondern verewigt diese Zustände noch. Er vemutet falsch (und anders kann er als liberaler Ideologe nicht): Den Afrikanern mangelt es am Recht auf Eigentum und an Demokratie.
Das Privateigentum ist es nämlich nicht. Auch in der dritten Welt gibt es genug Privateigentum an Produktionsmitteln, so dass nach liberaler Ideologie keiner Hungern müsste. Es kann also nicht darum gehen, die Menschen zu freien Subjekten in der Konkurrenz zu machen: Das sind sie bereits. Und sie hungern trotzdem. Als Idealist demokratischer Herrschaft muss er allerdings zu dem Schluss kommen: Wenn das Glücksversprechen das diese Ideologie aufmacht nicht eingelöst wird, wurde sie halt nicht konsequent genug durchgesetzt.

kleines (Streif)licht

Man soll meinen, die Zeiten des agressiven Antikommunismus sind vorbei. Sind sie auch. Der heutige Apologet kapitalistischer Verhältnisse hat es nicht mehr nötig, den Kommunismus als real-existierende Alternative zum Bestehenden abzulehnen. Es reicht ihm die Denunziation des Nachdenkens über ein vollkommen Anderes als „Spinnerei“. Schließlich muss dieses „Andere“ im Angesicht objektiver kapitalistischer Sachzwänge als vollkommen unrealistisch gelten. So wehrt sich hier ein Ex-DDR-Bürger erfolgreich gegen die Argumente des Gegenstandpunkts:

Es gibt sie noch, die Kritiker des „Privateigentums an Produktionsmitteln“. Mitten unter uns, im Internet treiben sie sich herum und machen das, was sie schon immer am besten konnten:
Auf einfache Fragen mittels einfacher Logik altertümliche Antworten zu geben und diese in möglichst kompliziert daherkommende Textwüsten zu verpacken.

Auf die Frage „Warum sind viele Menschen in den Entwicklungsländern arm?“ fragt der Verfasser den Leser:

„Vielleicht könnten Sie die oben genannte Frage kurz und verständlich beantworten, so dass sowohl ein normaler Mensch als auch ein neun-jähriges Kind eine richtige Erklärung über die Ursache der Armut verstehen und mitkriegen kann.“

Die Frage stellt er nicht umsonst: Er selbst war dazu nämlich nicht in der Lage.

Aber ich tu ihm/ihr einfach mal den Gefallen und fasse den Textschwall in einem kurzen Fazit zusammen:

Armut entsteht, weil es Privateigentum, weil es Lohnarbeit und weil es große Konzerne gibt.

Diese verquere Logik noch einmal zum Genießen, live und in Farbe:

„Gehungert wird also nur, wo es an Geld fehlt, um die vorhandenen Lebensmittel zu kaufen; … Schuld an dem Ausschluss vom Reichtum ist das Privateigentum.“

Was denn nun „Streiflicht“ an dieser Logik so „verquer“ findet, führt er leider nicht aus. So bleibt es der Phantasie seiner Leser überlassen, warum er sich gegen so ein einleuchtende und simple Erklärung von Hunger sperrt, die jedem Kleinkind schon klar ist: Innerhalb einer Gesellschaft, in der nur der zu essen hat, der es auch bezahlen kann, müssen die, die vom Erwerb der Geldware ausgeschlossen sind, hungern.

Wenn das Problem also darin besteht, dass Menschen zu wenig besitzen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schaffen wir eben den Besitz ganz ab.
Dann besitzen sie nicht mehr zu wenig, dann besitzen sie gar nichts mehr. Und die Wohlstandsunterschiede sind (auf niedrigst denkbarem Niveau, nämlich Null) eingeebnet.

Hier schmeißt Streiflicht zwei Dinge durcheinander (was ihm als Normalbürger des kapitalistischen Systems, der nicht mit der Organisation dieser Veranstaltung betraut ist, nicht vorzuwerfen ist): Eigentum an einer Sache habe ich nur, wenn ich einen Rechtstitel darauf habe, also wenn es eine Instanz gibt, die dieses Recht auch durchsetzen kann. Diese Instanz ist in kapitalistischen Gesellschaften der Staat. Eigentum muss erworben werden. Besitz ist hingegen etwas anderes, Besitz ist tatsächliche Sachherrschaft . Diese lässt sich auch vollkommen unabhängig vom Eigentum erlangen, wenn ich bereit bin, mich mit der Staatsgewalt anzulegen um in den Besitz dieser Sache zu kommen (z.B. beim „Diebstahl“). Natürlich macht eine solche Unterscheidung nur Sinn, wo die Aneignung der Dinge die ich zum bestreiten meines Lebensunterhalts benötige eben so geregelt ist, dass ich zuerst Eigentum an ihnen erwerben muss um sie auch nutzen zu dürfen. Es geht also nicht darum, den Menschen die Aneignung der Dinge zu verbieten, die sie zum Leben brauchen (genau das macht nämlich der bürgerliche Staat) , sondern sie eben gerade nicht in dieser Weise von den Lebens-und Produktionsmitteln mit Absicht fernzuhalten. Aneignung ist hier eben scharf abgegrenzt zum Erwerb von Eigentum. Aneignung bedeutet nichts weiter, als das ich mir eine Sache nehme, mit ihr (im naivsten Sinne des Begriffs) arbeite und so die Mittel erlange, die ich für meinen Lebensunterhalt benötige. D.h.: Durch die Abschaffung des Eigentums würden die Menschen tatsächlich etwas verlieren: nämlich die Distanz zu den Dingen, die sie für ihr überleben brauchen. Was Streiflicht bemängelt, nämlich das die Wohlstandsunterschiede, die es im Kapitalismus gibt (und die für viele Menschen tötliche Konsequenzen haben) auf einem „niedrigen Niveau“ eingeebnet würden, ist ein Argument, das die Befangenheit seiner ganzen „Kritik“ vor Augen führt: Der Wohlstand, den er meint, ist überhaupt nur unter kapitalistischen Produktionbedingungen in dieser Weise quantifizierbar, er ist nur als Warenreichtum zu messen. Und das hat eben zur Konsequenz, dass es sich hier um nichts anderes handelt, als um gewaltsam (mittels des Staates) angeeignete fremde unbezahlte Arbeit, was eben bedingt das es einige Menschen geben muss, die bei dieser Veranstaltung den kürzeren oder gar den kürzesten ziehen, vorallem wenn sie nicht einmal mehr zur Ausbeutung herangezogen werden, was perverser Weise im Reglement des Kapitalismus einem Todesurteil gleichkommen kann.

Schön, dass man immer mal wieder dran erinnert wird, was für idiotische Ideen durch manche Köpfe wabern. Und schön daran erinnert zu werden, wie überheblich-kolonialistisch der Kommunismus meint, die Armut der Welt für seine überholte Ideologie nutzen zu müssen

… schreibt der Pausen-Clown kapitalistischer Ideologieproduktion.

Affektives & Affektiertes: Gegendarstellung (teilweise)

Seit dem Beginn der signifikanten Einwanderung aus dem Nahen Osten wurde es lange genug versäumt, den Hasspredigern konsequent und auf breiter Basis die Stirn zu bieten. Die >>Ich-box-dich< <-Fraktion wurde nicht von deutscher Unterdrückung, sondern deutscher Akzeptanz ausgebrütet.
Ja ich verschiebe den Fokus. Mich interessiert, dass in angeblichen Multikulti-Kiezen Pogromstimmung herrscht. Und wie so oft zuvor, hat das Appeasement des Umfelds einen entscheidenden Anteil daran.

… schreibt Tzach in seiner
Gegendarstellung (teilweise) .

Das „seit dem Beginn signifikanter Einwanderung “ aus dem Orient (benennen wir doch einmal das Konzept, um das es hier geht) eben dieser in Deutschland auf breiter Basis die Stirn geboten wurde, unabhängig davon, ob „Hassprediger“ unter den „Zuwanderern“ waren oder nicht, ist allgemein bekannt. Also worüber beschwert sich Tzach? Über die „Akzeptanz“, die der von ihm als „>>Ich-box-dich< <-Fraktion" titulierten Gruppe angeblich von deutscher Seite entgegengebracht wird. Es stellen sich da zwei Fragen: Die erste ist die nach dem Paralell-Universum in dem Tzach lebt. Die zweite ist die, warum Tzach die homophoben Handlungen von Jugendlichen aus einer angeblich ihnen eigenen "Kultur" erklärt (womit er wieder den "der arabische Mann"-Fehler macht). Genauso könnte man sich die Homophobie, nicht aus dem "Nahen Osten" zugewanderter, Jugendlicher aus der westlichen Kultur erklären. Man könnte es auch einfach daraus erklären, dass sie Arschlöcher sind. So wie ich den Rassismus eines Tzach, wie er hier zum Ausdruck kommt, alleine aus dieser Tatsache erklären könnte. Nur leider finde ich eine solche Erklärung recht unbefriedigend. Tzachs Rassismus und die Homophobie derer, die offenbar seine Kultur teilen, scheinen beide eine grundsätzliche Vorraussetzung gemein zu haben: nämlich dass es ein Konzept des "Fremden" (bei Tzach eben ein kulturalistisches) und vom "Homosexuellen" (bei seinen kulturellen Freunden) geben muss. Ohne die Identifikationen des Anderen ließe sich die Ablehnung nicht begründen. Tzach behauptet also einen Zusammenhang zwischen "orientalischer Kultur" und Homophobie ungeachtet dessen, dass er sich hüten würde, einen Zusammenhang zwischen abendländischer Kultur und der Homophobie hiesiger Jugendlicher herzustellen. Obwohl letzteres weitaus schlüssiger wäre: Nirgendwo sonst auf der Welt bemüht man sich wohl so eine „homosexuelle Identität“ herzustellen , wie im aufgeklärten Abendland.