Ideologie vs. Kritik

Die Jungle World auf der Nachrichtenseite ihrer letzten Ausgabe:

Sparen, sparen, sparen

Weltwirschaft. Die Löhne und Unternehmenssteuern sinken seit Jahren. Was machen die Konzerne eigentlich mit dem ganzen Geld? Keine noch so großzügige Entlohnung des Managements kann das Wachstum der Profite kompensieren, und dass nicht in neue Arbeitsplätze investiert wird, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Lösung ist einfach: Die Konzerne sparen. Zwischen 2000 und 2004 haben die Unternehmen in den USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien eine Billion Dollar auf die hohe Kante gelegt. Diese Sparquote sei »beispiellos«, stellten die Ökonomen der Investmentfirma JP Morgan & Co. fest. Das Wall Street Journal berichtete, dass die 500 finanzstärksten US-Unternehmen »mehr als 634 Milliarden Dollar angesammelt haben«, eine Steigerung um fast 100 Prozent seit dem Jahr 2000.

Die Investitionsverweigerung wird nun zum Problem für die Aktienmärkte, doch wie immer hoffen die Ökonomen auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Microsoft und einige andere Unternehmen haben bereits eine Lösung gefunden: Sie zahlen ihren Aktionären höhere Dividenden. (js)

Das ist Unsinn. Offensichtler Unsinn. Denn es ist ja nun beleibe nicht so, dass so wie sich die nicht-einmal-vulgär-Marxisten des linksradikalen Zeitungsprojektes sich das vorstellen: das die Gewinne der Unternehmen im Kapitalismus für den Konsum ihrer Eigentümer eingesetzt würden. Auch sind sie nicht für die „Investition in Arbeitplätze“ zu gebrauchen. Ein Kapitalist investiert nicht „in Arbeitsplätze“, er investiert um Profit zu machen. Und den macht er eben nur, wenn er den Beschäftigten eine Menge unbezahlter Arbeitskraft abknöpft. Und das eben Arbeitsplatz-Abbau und steigende Profite dabei gut zusammengehen ist wenig verwunderlich. Also, was kann man aus der von JP Morgan, Wallstreetjournal und Jungle-World festgestellten „Investitionsverweigerung“ schließen? Eigentlich nur eins: Für die großen Konzerne scheint zur Zeit keine lohnende Investition
zu tätigen zu sein. Und das wäre das tatsächliche Problem für diese Unternehmen, und nicht wie die JW schreibt, dass sie zuviel Geld haben und das „zu einer Belastung für die Aktienmärkte“ wird. Dieses Problem ist aber nur ein scheinbares, wie wir hier lernen können: Schließlich kennt eine Aktiengesellschaft keine Zwangsmitgliedschaft. Wenn die Profite nicht mehr zu wachsen scheinen, wird halt das Geld an die Anteilseigner ausgeschüttet, was nichts anderes bedeutet, als dass Kapital aus diesem Projekt abgezogen wird. Und wenn die JW jetzt meint, dass sich jene Kapitalbesitzer von diesem Geld noch einmal drei Schnitzel am Tag leisten werden, irrt sie immer noch: Diese Kapitalbesitzer werden schon besseres damit anzufangen wissen: Es nämlich zu investieren, da wo es Profit bringt. Und nicht „in Arbeitsplätze“.


6 Antworten auf “Ideologie vs. Kritik”


  1. Gravatar Icon 1 ascetonym 23. Juli 2005 um 21:04 Uhr

    Das unter der Nachricht steht sicher für „Jungsozialist“, und dass solche keine Plan haben, dürfte bekannt sein… ;-)

  2. Gravatar Icon 2 a 04. August 2005 um 15:08 Uhr

    aber ist es nicht so, dass mit der erhöhung der dividende nicht seitens der aktionäre kapital aus dem projekt „abgezogen“, sondern von dem unternehmen freiwillig ausgegeben wird, um das interesse der anteilseigner zu erhalten (zumal in zeiten, in denen „zeitnahe“ profitmaximierung nicht absehbar scheint)? was allerdings nichts an der grundlegenden an völlig richtigen kritik an dem Jungle-artikel ändert.

  3. Gravatar Icon 3 a 04. August 2005 um 15:17 Uhr

    aber ist es nicht so, dass mit der erhöhung der dividende nicht seitens der aktionäre kapital aus dem projekt „abgezogen“, sondern im gegenteil vom unternehmen selbst ausgegeben wird, um das interesse der anteilseigner zu erhalten, besonders in zeiten, in denen „zeitnahe“ profitmaximierung nicht warscheinlich ist? insofern würden sich anteilseigner nicht aus dem projekt zurückziehen, sondern nur ihrer mitgliedschaft versichert. was an der grundlegenden und richtigen kritik an dem Jungle-artikel natürlich nichts ändert.

  4. Gravatar Icon 4 Administrator 14. August 2005 um 21:38 Uhr

    Da in einer Aktiengesellschaft die Hauptversammlung über die Dividende und deren Höhe entscheidet stellt es sich ja doch gerade so dar, dass die Anteilseigner Geld, das eigentlich von der AG zur Investition genutzt würde, aus diesem Projekt abziehen. Natürlich ist es auf der einen Seite eben so, dass die Profite der AG enorm waren. Sie soll ja auch aufgrund der hohen Dividende keines Falls das Geschäft einstellen müssen. Nur ist es eben so, dass die AG das als Dividende ausgeschüttete Geld wohl nicht mehr gebrauchen kann.

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