Populäre Irrtümer über den Kapitalismus – heute: „Lohnerhöhungen steigern die Binnennachfrage und sind deshalb auch gut für das Kapital.“

So lautet ein bekanntes und gebetsmühlenartig wiederholtes Argument der Gewerkschaften, wenn sie sich Staat und Kapital andienen und doch noch ihren Schnitt dabei machen wollen. Um auf ein solches Argument erst einmal zukommen, erfordert es schon einiges an Ideologie gefressen zu haben: Schließlich müsste der Kapitalismus, damit dieses Argument ziehen könnte, den alleinigen Zweck haben, die Bedürfnisbefriedigung der Menschen zu organisieren. D.h.: Jede Ware die hergestellt wird, wird hergestellt, damit nachher Menschen mit ihr ihre Bedürfnisse befriedigen können. Das ist aber eben nicht der Zweck des Kapitalismus. Der Zweck ist nämlich die Anhaäufung von abstrakten Reichtum, das Mittel dazu ist die Ausbeutung fremder Arbeitskraft („fremd“ im Sinne von „nicht meine eigene“, liebe Nationalisten). Es ist nämlich nicht so, dass die lohnarbeitende Bevölkerung in der Lage wäre mit dem gesamten von ihr verdienten Lohn sich das zu kaufen, was sie da so tagtäglich produziert. Ansonsten müssten die Kapitalisten ihnen ja entweder die von ihnen produzierten Waren einfach so überlassen (was kein Arbeiter wollen kann und die Kapitalisten erst recht nicht) oder ihnen eben genau das als Lohn auszahlen, was sie als Kapitalisten für die Ware bekommen würden (was kein Kapitalist wollen kann). Der Fehler den diese Gewerkschafter machen, ist, dass sie sich zwar die Frage stellen, wo denn das ganze Geld, dass übrigbleibt, wenn alle Kosten des Kapitalisten bezahlt sind bleibt, sich aber offensichtlich eine falsche Antwort geben. Dieses Geld wird nicht für den Konsum eingesetzt, nicht für den des Kapitalisten noch für den von sonstwem. Dieses Geld wird hauptsächlich dazu eingesetzt, ihre eigene Ausbeutung zu perfektionieren. Oder einen größeren Teil von ihnen für den Produktionsprozess überflüssig zu machen. D.h.: dieses Geld wird sofort wieder zu Kapital gemacht. Das Kapital befindet sich tatsächlich in einem Prozess beständiger Ausdehnung, es kennt keine natürliche Grenze, die dann erreicht wäre, wenn nicht mehr konsumiert würde. Selbst dann würde der Kapitalismus noch funktionieren, das sei auch den Konsumkritikern gesagt: Kapitalismus ist eben keine Verschwörung von einigen Wenigen, er funktioniert, weil wir funktionieren: Und zwar nicht als Konsumenten, sondern als lohnabhängige Arbeiter. Und gerade weil das so ist, ist eine Lohnerhöhung niemals im Sinne des Kapitals: sie würde den Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft senken und damit ihren Nutzen für die Zwecke des Kapitals. Dem Kapital, eine industrielle Reservearmee mit einer gewissen größe vorrausgesetzt, kann es egal sein ob die Arbeiter verhungern – hauptsache der Profit stimmt. Das muss man sich vergegenwärtigen, wenn man davon spricht, dass die Zwecke des Kapitals doch im Prinzip die eigenen wären.


3 Antworten auf “Populäre Irrtümer über den Kapitalismus – heute: „Lohnerhöhungen steigern die Binnennachfrage und sind deshalb auch gut für das Kapital.“”


  1. Gravatar Icon 1 Lincoln 14. Juli 2005 um 22:38 Uhr

    Blätter wie der SPIEGEL sind über die Albernheiten dieser gewerkschaftlichen Ideologie längst hinaus und können es sich locker leisten, die schlichte Wahrheit über „die soziale Frage“ ganz unverblümt auszuplaudern: Erfolgreicher Kapitalismus geht nicht ohne massenhafte Armut!

  2. Gravatar Icon 2 lempe 22. April 2006 um 2:34 Uhr

    Dieses Geschwafel lieber Herr Verfasser des Artikels! Du schreibst Dinge über den Kapitalismus – Herr Smith (sofern du den kennst, was ich an der Qualität deines Textes bezweifle…)! Wie steht es mit der „unsichtbaren Hand“ – unsichtbar klar wieso? Warum Hand und nicht eine Nase? Auch klar… studieren, dann schreiben – oder aber: schreiben, studieren, neu schreiben…

  3. Gravatar Icon 3 Administrator 23. April 2006 um 4:12 Uhr

    Lieber lempe, vollständige Sätze die auch noch Sinn ergeben haben klar den Vorteil das man sich zu ihnen inhaltlich äussern kann. Das ist mir zu deinem Kommentar leider unmöglich. Das einzige was ich da heraus lese, ist das du gegen das von mir Geschriebene das Argument in Stellung bringen willst, dass das so nicht beim Adam Smith steht. Wo ist genau dein Kritikpunkt? Es hat wohl irgendwas mit der berühmten „unsichtbaren Hand“ zu tun (mit der du modernen Ökonomen im Übrigen gar nicht mehr kommen musst). Du könntest vielleicht genauer sagen wo dein Problem mit dem Text liegt.

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