kleines (Streif)licht

Man soll meinen, die Zeiten des agressiven Antikommunismus sind vorbei. Sind sie auch. Der heutige Apologet kapitalistischer Verhältnisse hat es nicht mehr nötig, den Kommunismus als real-existierende Alternative zum Bestehenden abzulehnen. Es reicht ihm die Denunziation des Nachdenkens über ein vollkommen Anderes als „Spinnerei“. Schließlich muss dieses „Andere“ im Angesicht objektiver kapitalistischer Sachzwänge als vollkommen unrealistisch gelten. So wehrt sich hier ein Ex-DDR-Bürger erfolgreich gegen die Argumente des Gegenstandpunkts:

Es gibt sie noch, die Kritiker des „Privateigentums an Produktionsmitteln“. Mitten unter uns, im Internet treiben sie sich herum und machen das, was sie schon immer am besten konnten:
Auf einfache Fragen mittels einfacher Logik altertümliche Antworten zu geben und diese in möglichst kompliziert daherkommende Textwüsten zu verpacken.

Auf die Frage „Warum sind viele Menschen in den Entwicklungsländern arm?“ fragt der Verfasser den Leser:

„Vielleicht könnten Sie die oben genannte Frage kurz und verständlich beantworten, so dass sowohl ein normaler Mensch als auch ein neun-jähriges Kind eine richtige Erklärung über die Ursache der Armut verstehen und mitkriegen kann.“

Die Frage stellt er nicht umsonst: Er selbst war dazu nämlich nicht in der Lage.

Aber ich tu ihm/ihr einfach mal den Gefallen und fasse den Textschwall in einem kurzen Fazit zusammen:

Armut entsteht, weil es Privateigentum, weil es Lohnarbeit und weil es große Konzerne gibt.

Diese verquere Logik noch einmal zum Genießen, live und in Farbe:

„Gehungert wird also nur, wo es an Geld fehlt, um die vorhandenen Lebensmittel zu kaufen; … Schuld an dem Ausschluss vom Reichtum ist das Privateigentum.“

Was denn nun „Streiflicht“ an dieser Logik so „verquer“ findet, führt er leider nicht aus. So bleibt es der Phantasie seiner Leser überlassen, warum er sich gegen so ein einleuchtende und simple Erklärung von Hunger sperrt, die jedem Kleinkind schon klar ist: Innerhalb einer Gesellschaft, in der nur der zu essen hat, der es auch bezahlen kann, müssen die, die vom Erwerb der Geldware ausgeschlossen sind, hungern.

Wenn das Problem also darin besteht, dass Menschen zu wenig besitzen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schaffen wir eben den Besitz ganz ab.
Dann besitzen sie nicht mehr zu wenig, dann besitzen sie gar nichts mehr. Und die Wohlstandsunterschiede sind (auf niedrigst denkbarem Niveau, nämlich Null) eingeebnet.

Hier schmeißt Streiflicht zwei Dinge durcheinander (was ihm als Normalbürger des kapitalistischen Systems, der nicht mit der Organisation dieser Veranstaltung betraut ist, nicht vorzuwerfen ist): Eigentum an einer Sache habe ich nur, wenn ich einen Rechtstitel darauf habe, also wenn es eine Instanz gibt, die dieses Recht auch durchsetzen kann. Diese Instanz ist in kapitalistischen Gesellschaften der Staat. Eigentum muss erworben werden. Besitz ist hingegen etwas anderes, Besitz ist tatsächliche Sachherrschaft . Diese lässt sich auch vollkommen unabhängig vom Eigentum erlangen, wenn ich bereit bin, mich mit der Staatsgewalt anzulegen um in den Besitz dieser Sache zu kommen (z.B. beim „Diebstahl“). Natürlich macht eine solche Unterscheidung nur Sinn, wo die Aneignung der Dinge die ich zum bestreiten meines Lebensunterhalts benötige eben so geregelt ist, dass ich zuerst Eigentum an ihnen erwerben muss um sie auch nutzen zu dürfen. Es geht also nicht darum, den Menschen die Aneignung der Dinge zu verbieten, die sie zum Leben brauchen (genau das macht nämlich der bürgerliche Staat) , sondern sie eben gerade nicht in dieser Weise von den Lebens-und Produktionsmitteln mit Absicht fernzuhalten. Aneignung ist hier eben scharf abgegrenzt zum Erwerb von Eigentum. Aneignung bedeutet nichts weiter, als das ich mir eine Sache nehme, mit ihr (im naivsten Sinne des Begriffs) arbeite und so die Mittel erlange, die ich für meinen Lebensunterhalt benötige. D.h.: Durch die Abschaffung des Eigentums würden die Menschen tatsächlich etwas verlieren: nämlich die Distanz zu den Dingen, die sie für ihr überleben brauchen. Was Streiflicht bemängelt, nämlich das die Wohlstandsunterschiede, die es im Kapitalismus gibt (und die für viele Menschen tötliche Konsequenzen haben) auf einem „niedrigen Niveau“ eingeebnet würden, ist ein Argument, das die Befangenheit seiner ganzen „Kritik“ vor Augen führt: Der Wohlstand, den er meint, ist überhaupt nur unter kapitalistischen Produktionbedingungen in dieser Weise quantifizierbar, er ist nur als Warenreichtum zu messen. Und das hat eben zur Konsequenz, dass es sich hier um nichts anderes handelt, als um gewaltsam (mittels des Staates) angeeignete fremde unbezahlte Arbeit, was eben bedingt das es einige Menschen geben muss, die bei dieser Veranstaltung den kürzeren oder gar den kürzesten ziehen, vorallem wenn sie nicht einmal mehr zur Ausbeutung herangezogen werden, was perverser Weise im Reglement des Kapitalismus einem Todesurteil gleichkommen kann.

Schön, dass man immer mal wieder dran erinnert wird, was für idiotische Ideen durch manche Köpfe wabern. Und schön daran erinnert zu werden, wie überheblich-kolonialistisch der Kommunismus meint, die Armut der Welt für seine überholte Ideologie nutzen zu müssen

… schreibt der Pausen-Clown kapitalistischer Ideologieproduktion.


1 Antwort auf “kleines (Streif)licht”


  1. Gravatar Icon 1 Dorsch 07. Juli 2005 um 14:34 Uhr

    Beim Streiflicht taucht ja tatsächlich JEDER Fehler der VWL auf, den man machen kann. Aber von seinen Argumenten bleibt nicht allzu viel übrig, da fleißige Leute sie Stück für Stück zerlegen.

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