Archiv für Juli 2005

Schon beinahe vergessen:

Aber ein sehr schöner Text von den Pixies:

I was swimmin‘ in the Carribean
Animals were hiding behind the rock
Except the little fish
But they told me, he swears
Tryin‘ to talk to me to me to me

Where is my mind (3x)
Way out in the water
See it swimmin‘ ?

Ideologie vs. Kritik

Die Jungle World auf der Nachrichtenseite ihrer letzten Ausgabe:

Sparen, sparen, sparen

Weltwirschaft. Die Löhne und Unternehmenssteuern sinken seit Jahren. Was machen die Konzerne eigentlich mit dem ganzen Geld? Keine noch so großzügige Entlohnung des Managements kann das Wachstum der Profite kompensieren, und dass nicht in neue Arbeitsplätze investiert wird, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Lösung ist einfach: Die Konzerne sparen. Zwischen 2000 und 2004 haben die Unternehmen in den USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien eine Billion Dollar auf die hohe Kante gelegt. Diese Sparquote sei »beispiellos«, stellten die Ökonomen der Investmentfirma JP Morgan & Co. fest. Das Wall Street Journal berichtete, dass die 500 finanzstärksten US-Unternehmen »mehr als 634 Milliarden Dollar angesammelt haben«, eine Steigerung um fast 100 Prozent seit dem Jahr 2000.

Die Investitionsverweigerung wird nun zum Problem für die Aktienmärkte, doch wie immer hoffen die Ökonomen auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Microsoft und einige andere Unternehmen haben bereits eine Lösung gefunden: Sie zahlen ihren Aktionären höhere Dividenden. (js)

Das ist Unsinn. Offensichtler Unsinn. Denn es ist ja nun beleibe nicht so, dass so wie sich die nicht-einmal-vulgär-Marxisten des linksradikalen Zeitungsprojektes sich das vorstellen: das die Gewinne der Unternehmen im Kapitalismus für den Konsum ihrer Eigentümer eingesetzt würden. Auch sind sie nicht für die „Investition in Arbeitplätze“ zu gebrauchen. Ein Kapitalist investiert nicht „in Arbeitsplätze“, er investiert um Profit zu machen. Und den macht er eben nur, wenn er den Beschäftigten eine Menge unbezahlter Arbeitskraft abknöpft. Und das eben Arbeitsplatz-Abbau und steigende Profite dabei gut zusammengehen ist wenig verwunderlich. Also, was kann man aus der von JP Morgan, Wallstreetjournal und Jungle-World festgestellten „Investitionsverweigerung“ schließen? Eigentlich nur eins: Für die großen Konzerne scheint zur Zeit keine lohnende Investition
zu tätigen zu sein. Und das wäre das tatsächliche Problem für diese Unternehmen, und nicht wie die JW schreibt, dass sie zuviel Geld haben und das „zu einer Belastung für die Aktienmärkte“ wird. Dieses Problem ist aber nur ein scheinbares, wie wir hier lernen können: Schließlich kennt eine Aktiengesellschaft keine Zwangsmitgliedschaft. Wenn die Profite nicht mehr zu wachsen scheinen, wird halt das Geld an die Anteilseigner ausgeschüttet, was nichts anderes bedeutet, als dass Kapital aus diesem Projekt abgezogen wird. Und wenn die JW jetzt meint, dass sich jene Kapitalbesitzer von diesem Geld noch einmal drei Schnitzel am Tag leisten werden, irrt sie immer noch: Diese Kapitalbesitzer werden schon besseres damit anzufangen wissen: Es nämlich zu investieren, da wo es Profit bringt. Und nicht „in Arbeitsplätze“.

befreite Tiere

www.befreite-tiere.de vermeldet stolz:

02. Juli 2005
In mehreren Aktionen wurden über die letzten Monate 74 Hennen aus Legebatterien befreit.

Auf die Fehler der „Tierbefreier“ einzugehen wäre nun zwar sinnvoll, doch fehlt mir zur Zeit dazu schlicht die Lust. Es sei nur kurz angemerkt, dass man sich doch einfach einmal vorstellen sollte, das da stünde:

www.befreite-menschen.de verkündet stolz:

Wieder 2 Menschen aus Fabrik in Norddeutschland befreit und damit kapitalistischer Ausbeutung entzogen.

Nicht vorzustellen? Unsinn?
Sicherlich. Aber es taugt sich mal den Zynismus dieser Tierfreunde vor Augen zuführen.

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„Nicht nur eine besondere Regierungsform oder Parteiherrschaft bewirkt Totalitarismus, sondern auch ein besonderes Produktions- und Verteilungssystem, das sich mit dem ‚Pluralismus‘ von Parteien, Zeitungen, ‚ausgleichenden Mächten‘ etc durchaus verträgt.“ (Herbert Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“, S.23)

Populäre Irrtümer über den Kapitalismus – heute: „Lohnerhöhungen steigern die Binnennachfrage und sind deshalb auch gut für das Kapital.“

So lautet ein bekanntes und gebetsmühlenartig wiederholtes Argument der Gewerkschaften, wenn sie sich Staat und Kapital andienen und doch noch ihren Schnitt dabei machen wollen. Um auf ein solches Argument erst einmal zukommen, erfordert es schon einiges an Ideologie gefressen zu haben: Schließlich müsste der Kapitalismus, damit dieses Argument ziehen könnte, den alleinigen Zweck haben, die Bedürfnisbefriedigung der Menschen zu organisieren. D.h.: Jede Ware die hergestellt wird, wird hergestellt, damit nachher Menschen mit ihr ihre Bedürfnisse befriedigen können. Das ist aber eben nicht der Zweck des Kapitalismus. Der Zweck ist nämlich die Anhaäufung von abstrakten Reichtum, das Mittel dazu ist die Ausbeutung fremder Arbeitskraft („fremd“ im Sinne von „nicht meine eigene“, liebe Nationalisten). Es ist nämlich nicht so, dass die lohnarbeitende Bevölkerung in der Lage wäre mit dem gesamten von ihr verdienten Lohn sich das zu kaufen, was sie da so tagtäglich produziert. Ansonsten müssten die Kapitalisten ihnen ja entweder die von ihnen produzierten Waren einfach so überlassen (was kein Arbeiter wollen kann und die Kapitalisten erst recht nicht) oder ihnen eben genau das als Lohn auszahlen, was sie als Kapitalisten für die Ware bekommen würden (was kein Kapitalist wollen kann). Der Fehler den diese Gewerkschafter machen, ist, dass sie sich zwar die Frage stellen, wo denn das ganze Geld, dass übrigbleibt, wenn alle Kosten des Kapitalisten bezahlt sind bleibt, sich aber offensichtlich eine falsche Antwort geben. Dieses Geld wird nicht für den Konsum eingesetzt, nicht für den des Kapitalisten noch für den von sonstwem. Dieses Geld wird hauptsächlich dazu eingesetzt, ihre eigene Ausbeutung zu perfektionieren. Oder einen größeren Teil von ihnen für den Produktionsprozess überflüssig zu machen. D.h.: dieses Geld wird sofort wieder zu Kapital gemacht. Das Kapital befindet sich tatsächlich in einem Prozess beständiger Ausdehnung, es kennt keine natürliche Grenze, die dann erreicht wäre, wenn nicht mehr konsumiert würde. Selbst dann würde der Kapitalismus noch funktionieren, das sei auch den Konsumkritikern gesagt: Kapitalismus ist eben keine Verschwörung von einigen Wenigen, er funktioniert, weil wir funktionieren: Und zwar nicht als Konsumenten, sondern als lohnabhängige Arbeiter. Und gerade weil das so ist, ist eine Lohnerhöhung niemals im Sinne des Kapitals: sie würde den Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft senken und damit ihren Nutzen für die Zwecke des Kapitals. Dem Kapital, eine industrielle Reservearmee mit einer gewissen größe vorrausgesetzt, kann es egal sein ob die Arbeiter verhungern – hauptsache der Profit stimmt. Das muss man sich vergegenwärtigen, wenn man davon spricht, dass die Zwecke des Kapitals doch im Prinzip die eigenen wären.