emopunkige AD-Kids

„Emopunks“ diskutieren einen Beitrag von diesem Blog und finden:

„ich halte den begriff der barbarei auch für angebracht. er macht an dieser stelle deutlich, dass auch aus rationalem (z.b. dem exatem vermessen von körperteilen mit wissenschaftlichen methoden) schlimmstes resultieren kann.
das ding ist doch grade dass sich doch grade das versprechen der aufklärung („ausgang des menschen aus der selbstverschuldeten unmündigkeit“) nicht erfüllt hat und gerade die (schein)rationalisierung der ganzen welt, die kein außen, kein unerklärliches, mehr zulässt notwendige bedingung für den industriellen massenmord waren.
die aufklärung wird eben – wenn sie absolut gesetzt und unreflektiert bleibt – selbst zum mythos und produziert die scheinbare wissenschaftlichkeit des rassenwahns – aber keine aus ihr selbst entwachsende moral.
jetzt werft mir blos nicht vor ich würde ein „zurück“ zur gesellschaft der mythen fordern… “

„das rationale im beispiel des vermessens der körperteile ist ja nur scheinbar rational, da man sich einer wissenschaftlichen praxis bedient ohne irgendeinen erkenntniszuwachs. aber der kreis schließt sich bei der betrachtung, warum die nazis versuchten, ihre ideologie wissenschaftlich und damit zivilisatorisch konsequent und stringent zu präsentieren.“

Hier wird klar: Nazis waren keine „Wissenschaftler“. Man verspricht sich von seiner/m Dozent/in in der Uni eben mehr als Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder Homophobie (oder was ich jetzt sonst noch alles anführen könnte).
Man sagt: Die Vernunft sei ja schon in Ordnung, sie hätte bloß eine schreckliche Form angenommen, damals. Dass sie das eben in den Köpfen der wahnhaften Post-Antideutschen immer noch tut: ignoriert. Das sie in der bürgerlichen Wissenschaft immer noch gar schrecklich ist: ignoriert. Die Kritik: abgehakt. Bzw.: Verschoben, auf übermorgen, wenn es keine „barbarischen“ Islamisten mehr gibt. Man freut sich schon auf einen Job in der Elite – Team Enlightenment? Fuck, yeah!

„ein weiteres problem ist, dass die mythen, denen bestimmte (eher traditionelle gesellschaften aufsitzen (z.b. offener antisemitismus), leichter zu durchschauen sind als das mythische moment der aufklärung/moderne.
wenn bestimmte systeme rationalität vorgaukeln und nicht auf abstrusen mythen zur erklärung der welt verweisen wird das ganze halt schwieriger zu durchschauen und zu „de-naturalisieren“.“

Das Problem ist nicht das Rationalität „vorgegaukelt“ wird, sondern, dass das antisemitsche Wahnsystem in sich rational ist. Da unterscheidet es sich im übrigen nicht von anderen modernen Ideologien. Seit wann der Antisemitismus nicht zu diesen gehört, sondern zu den „traditionelleren“ (also „vormodernen“) weiß ich nicht, ich schätze der fragliche Zeitpunkt fällt mit dem Erscheinungsdatum einer Ausgabe der Bahamas zusammen.